Gelenkrisiko Arthrose

Über 200 Knochen sind in unserem Körper durch mehr als 100 Gelenke und über 600 Muskeln beweglich miteinander verbunden. Doch nicht immer reibungslos.

Unsere Gelenkflächen schützen sich mit derbem Knorpel, Schleimhaut (Synovia) und Gelenkschmiere – eine fast perfekte Konstruktion. Jede Bewegung sorgt für Abrieb, der aber durch körpereigene Reparaturprozesse normalerweise wieder ausgeglichen wird. Stehen beide Kräfte nicht mehr im Gleichgewicht, schwindet der Knorpel – zunächst unmerklich, später schmerzhaft. In der Folge werden in Deutschland jährlich über 200.000 Hüft- und 170.000 Knieoperationen durchgeführt.

Risikofaktoren Alter und Überlastung

Vor allem durch Chondroitinsulfat bleibt der Knorpel prall und elastisch. Doch nimmt dieses wie auch die knorpelstimulierende Hyaluronsäure im Lauf des Lebens ab und liegt mit 40 etwa bei der Hälfte, mit 60 Jahren häufig bei einem Zehntel des ursprünglichen Gehalts. Doch damit könnte der Mensch noch recht gut leben, kämen nicht weitere Belastungsfaktoren hinzu: Übergewicht, Fehlbelastungen und leistungsorientierter Freizeitsport sind heute die Hauptursachen für Arthrose (Gelenkverschleiß). Sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter, mit steigender Tendenz. Was mit einem leichten Ziehen beginnt, mündet häufig in zunehmende Einschränkungen bis hin zur Funktionslosigkeit oder Versteifung von Gelenken.

Bewegungsmangel mit übermäßigem Sitzen „hungert“ den Gelenkknorpel aus – dieser benötigt lockere Bewegung mit moderatem Zug und Druck. Überzählige Kilos lasten ebenso auf den Gelenken wie krumme Belastungsachsen, z. B. durch Fehlhaltung bzw. -stellung oder einseitigen Sport. Das Kniegelenk ist am häufigsten betroffen, denn es ist bevorzugtes Opfer von Sportunfällen und sportlicher Überlastung.

Kein Königsweg: Chirurgische Eingriffe

Spezialisierte Orthopäden raten häufig zu Gelenkspiegelungen (Arthroskopien), Knorpelglättung oder künstlichen Gelenken. Zwar können hierdurch Menschen, die zuvor in ihrer Bewegungsfreiheit fast ganz eingeschränkt waren, wieder ein annähernd normales Leben führen. Das eigentliche Gelenk sollte jedoch so lange wie möglich erhalten und keinesfalls durch Eingriffe unnötig geschädigt werden. Bis zu 75 % der Gelenkoperationen wären laut Experten nicht unbedingt erforderlich. Daher lohnt es, sich vor einem Eingriff eine Zweitmeinung einzuholen.

Erstes Symptom: Anlaufschmerz

Für eine beginnende Arthrose spricht der Anlaufschmerz bei Bewegung, der typischerweise bei Fortführen der Bewegung wieder verschwindet. Hier können Sie noch viel ausrichten: Möglichst tägliche sportliche Bewegungseinheiten im schmerzfreien Bereich – ob im Wasser, auf dem Fahrrad oder einem Crosstrainer – erhalten die Gelenkfunktion – auch bei bereits geschä¬digten Gelenken. Große Belastungen wie Ausdauerlaufen oder Ballsport sollten hingegen vermieden werden.

Dehnen und lockere Bewegung als bester Schutz

Häufig ist beim Knie der vordere Oberschenkelmuskel krankhaft verkürzt, wodurch die Kniescheibe mit zu hohem Druck gegen das Kniegelenk gepresst wird. Mit Dehnübungen erhalten Sie den Bewegungsumfang der Gelenke. Dazu ziehen Sie in diesem Fall die Fersen abwechselnd 3–5 Mal an den Po – jeweils 20 Sekunden halten, 2–3 Durchgänge täglich.

Zwar werden als Selbstzahlerleistung Präparate und Hyaluronsäureinjektionen gegen Arthrose angeboten. Deren Effekt ist jedoch nicht belegt. Daher bietet lebenslange gesunde, lockere und abwechslungsreiche Bewegung den sichersten Schutz gegen den Verschleiß.

Foto: © Graphicroyalty - stock.adobe

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