Hörverlust: Jeder Dritte über 65 betroffen

Obwohl Hörstörungen im Alter bei den meisten Menschen auftreten, bleiben Sie laut einer Pilotstudie viel zu oft unbehandelt. Dies kann dazu führen, dass Menschen im Alter stürzen, vereinsamen oder ihre geistigen Fähigkeiten nachlassen.

Ältere Menschen leiden überproportional häufig unter hals-nasen-ohrenärztlichen Problemen, allen voran unter einer meist beidseitigen Hörstörung, der sogenannten Altersschwerhörigkeit. Bereits jeder dritte Mensch im Alter von 65 Jahren ist davon betroffen. Zunächst bezieht sich die Hörstörung nur auf die hohen Töne. „Die Senioren bemerken, dass sie das Vogelgezwitscher nicht mehr wahrnehmen“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Christiane Völter von der Ruhr-Universität Bochum im Vorfeld der 89. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) in Lübeck. „Später fällt es den Betroffenen immer schwerer, anderen Menschen im Gespräch zu folgen.“

Häufig werden Hörstörungen im Alter nicht oder erst spät erkannt und behandelt, weil Betroffene den Hörverlust nicht wahrhaben wollen oder auch die Umgebung ihn nicht erkennt. Wird die Hörstörung nicht behandelt, kann dies schwerwiegende Folgen haben: Viele Senioren reagieren auf die Hörbeeinträchtigung mit sozialem Rückzug. Die verminderte Hörfähigkeit belastet nicht nur die Psyche, was sich in der Entwicklung von Depressionen zeigen kann. Auch die geistigen Fähigkeiten können nachlassen. Dr. Völter erläutert: „Langzeitstudien haben gezeigt, dass Menschen mit Hörstörungen häufiger eine Demenz entwickeln. Bei mittelgradigen Hörstörungen steigt das Risiko um das Doppelte, bei einer hochgradigen sogar um das Fünffache.“

Hörgeräte können dabei helfen, ältere Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die heutigen digitalen Geräte sind technisch so ausgereift, dass sie nach einer langsamen Eingewöhnung von den Betroffenen in der Regel auch regelmäßig genutzt werden. „Es ist bedauerlich, dass nach Schätzungen des Bundes für Schwerhörige dennoch weniger als 50 Prozent der mittel- bis hochgradig Schwerhörigen in Deutschland mit einem Hörgerät versorgt sind“, so Völter.

Ein konventionelles Luftleitungshörgerät ist allerdings nicht für alle schwerhörigen Menschen sinnvoll und ausreichend. So kann ein Cochlea-Implantat erforderlich werden, wenn die Innenohrschwerhörigkeit in Richtung einer nahezu vollständigen Ertaubung fortgeschritten ist. Die Geräte, die über ein Mikrofon den Schall aufnehmen und die Signale elektrisch auf den Hörnerv übertragen, wurden ursprünglich für taube Kinder entwickelt. „Inzwischen werden Cochlea-Implantate immer häufiger auch bei älteren Menschen eingesetzt“, berichtet Völter. „Bereits nach sechs Monaten zeigte sich eine verbesserte Performance im Bereich von Aufmerksamkeit, verzögerter Erinnerung, Impulskontrolle und Arbeitsgedächtnis.“

Quelle: https://www.hno.org

Foto: © psdesign1 - stock.adobe

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