Ist mein Kind mediensüchtig?

Kinder und Jugendliche sind immer früher und intensiver elektronischen Medien wie Smartphone, Tablet, PC oder TV ausgesetzt. Während Schulen den Einzug von Tablets in den Unterricht feiern, steigt die Zahl medienabhängiger Heranwachsender rasant: Etwa 6 % gelten bereits als internetabhängig. So sind Jugendliche im Alter von 12–17 Jahren pro Woche im Durchschnitt etwa 22 Stunden mit Computerspielen oder Internetnutzung beschäftigt.

Um jedoch zu beurteilen, ob Kinder eine Mediensucht entwickeln, sollten Eltern nicht nur darauf achten, wie lange Heranwachsende digitale Bildschirmmedien nutzen. Studien zufolge sollten sie vor allem auch beobachten, ob die Medien die Kinder beherrschen oder umgekehrt.

„Wenn der Umgang mit Medien andere Lebensbereiche einschränkt oder/und keinen Raum mehr für andere Aktivitäten zulässt, u. a. weil der Heranwachsende nur am Umgang mit Medien Freude hat, handelt es sich um ein gesundheitsgefährdendes, dysreguliertes Verhalten“, erklärt Dr. Uwe Büsching, Kinder- und Jugendarzt sowie Medienexperte des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Büsching ist Mitinitiator des Studienprojekts BLIKK: Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz und Kommunikation – Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien.

Hinweise, dass suchtartiges Medienverhalten vorliegt, geben – neben umfangreicher Zeit – folgende Verhaltensweisen. In der Regel treffen mehrere Faktoren über einen langen Zeitraum zu (z. B. ein halbes Jahr):

  • Kontrollverlust: Dem Kind fällt es sehr schwer, den Mediengebrauch einzuschränken bzw. darauf zu verzichten.
  • Interessensverlust und Zwang, immer online zu sein: Elektronische Medien sind das Einzige, was das Kind noch zu motivieren scheint.
  • Exzessive Beschäftigung: Das Kind beschäftigt sich auch in Gedanken anscheinend nur noch mit Medien.
  • mangelndes Interesse an anderen Freizeitaktivitäten
  • Psychosoziale Konsequenzen und Rückzug: Die Mediennutzung des Kindes beeinträchtigt die Aktivitäten der Familie.
  • Vernachlässigen von sozialen Kontakten: Verwandte, Freunde und Ausflüge werden gemieden.
  • Ernsthafte Probleme: Die Mediennutzung des Kindes verursacht Probleme in der Familie.
  • Toleranz: Die Zeit, die das Kind für den Umgang mit Medien verwenden möchte, wird immer länger.
  • nachlassende Leistungen oder Konflikte in Schule oder Beruf
  • Flucht und Nutzung zur Verbesserung der Stimmung: Wenn das Kind einen schlechten Tag hat, scheint der Gebrauch der Medien der einzige Weg zu sein, um sich besser zu fühlen.
  • Übermüdung, Haltungsschäden, Sehstörungen
  • Mehrere Versuche, sich einzuschränken, sind gescheitert.
  • Gespräche über den eigenen Umgang mit dem Internet werden vermieden, Schuldgefühle sind selten vorhanden.
  • Lange Onlinezeiten werden geheim gehalten, Unruhe und Nervosität treten auf, wenn man nicht online ist: Das Kind reagiert frustriert, wenn es keinen Zugang zu Medien hat.

„Bei einem Verdacht oder Unsicherheiten sollten sich Eltern frühzeitig an ihren Kinder- und Jugendarzt wenden“, rät Büsching.

Empfehlungen der Kinderärzte zum Bildschirmmediengebrauch: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/mediathek/empfehlungen-zum-bildschirmmediengebrauch/

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de

Foto: mariesacha - Fotolia

Zurück