Kliniken: Genug OP-Erfahrung?

Schwierige chirurgische Eingriffe erfordern reichlich Erfahrung. Daher wurden seit 2004 Mindestmengen für sieben planbare Eingriffe festgelegt. Denn in Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen kommt es seltener zu Komplikationen und Todesfällen. Doch wie die aktuelle Analyse des SMC (Science Media Center) und der Bertelsmann Stiftung verdeutlicht, wird die geltende Mindestmengen-Regelung bis heute nicht ausreichend umgesetzt: 458 von 1.152 Kliniken führten 2017 komplexe Eingriffe durch, obwohl sie die vorgegebenen Fallzahlen unterschreiten. Das entspricht bundesweit rund 4.300 Operationen. Bei Bauchspeicheldrüsen-OPs liegen 34 % und bei Speiseröhren-OPs sogar 52,6 % der Häuser unter den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmengen. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung: „Dass in Deutschland komplizierte OPs trotz fehlender Routine durchgeführt werden, darf nicht zum Klinikalltag gehören.“

Die Autoren beanstandeten zudem fehlende Daten in den Qualitätsberichten. Roland Rischer von der Bertelsmann-Stiftung: „Patienten sollten grundsätzlich auf eine überdurchschnittlich hohe Fallzahl beim Krankenhaus der Wahl achten - so können sie problematische Kliniken umschiffen.“

Außerdem fordern die Autoren, Qualitätsberichte und Mindestmengen-Angaben der Krankenhäuser zukünftig auf Vollständigkeit und Plausibilität zu prüfen, die vorgegebenen Fallzahlen zu erhöhen und deren Nichteinhaltung zu sanktionieren. In England und Finnland liegen die Mindestmengen zum Teil beim Fünf- bis Zehnfachen im Vergleich zu Deutschland und gelten oft pro Arzt und nicht pro Klinik. „Jeder, der in Deutschland operiert wird, sollte sicher und gut versorgt sein. Die Verschärfung der Mindestmengen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel“, so Mohn.

Quelle: www.bertelsmann-stiftung.de

Foto: © Gpoint Studio, Stock Adobe

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