Lichtverschmutzung unterdrückt „Schlafhormon“ Melatonin

Melatonin taktet bei Mensch und Tier die innere Uhr. Dank eines hohen Melatoninspiegels werden wir abends müde. Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben in einem internationalen Team Daten zur Auswirkung von Lichtverschmutzung auf die Melatoninbildung bei Menschen und Wirbeltieren ausgewertet. Das Ergebnis: Selbst die niedrigen Lichtintensitäten einer städtischen Lichtglocke reduzieren die Bildung des sogenannten Schlaf- oder Dunkelhormons.

Melatonin leitet den Schlaf ein und prägt den Tag-Nacht-Rhythmus beim Menschen und bei Wirbeltieren. Organe, Gewebe und Zellen stellen abhängig von der Konzentration dieses Hormons ihre innere Uhr. Melatonin steuert auch Prozesse wie Fortpflanzung und Wachstum. Über Lichtrezeptoren, beispielsweise auf der Netzhaut im Auge, nimmt der Organismus die Helligkeit der Umgebung war. Wenn viel Licht auf die Rezeptoren wirkt, wird die Bildung von Melatonin unterdrückt. Bei Dunkelheit wird viel Melatonin gebildet.

Die Empfindlichkeitsschwelle beim Menschen liegt bei 6 Lux, Straßenbeleuchtung strahlt meist heller. Künstliches Licht bei Nacht kann somit den Melatoninhaushalt und damit den Schlaf empfindlich stören.

Die Forscher zeigten anhand einer Literaturrecherche aus 1900 Studien, dass bereits sehr geringe Lichtintensitäten die Ausschüttung des Melatonins unterdrücken: Bei Fischen liegt die Schwelle bei 0,01 Lux, bei Nagern bei 0,03 Lux und bei empfindlichen Menschen bei 6 Lux; bei Licht mit einem hohen Blaulichtanteil sogar weit darunter.

In einer sternenklaren Nacht liegt die Beleuchtungsstärke hingegen natürlicherweise bei 0,001 Lux. In einer Vollmondnacht erreicht sie ein Maximum von 0,3 Lux. Die Lichtglocke einer Stadt kann Beleuchtungsstärken bis zu 0,1 Lux, eine Straßenbeleuchtung mehr als 150 Lux erreichen.

Quelle: www.igb-berlin.de

Foto: © jotily - stock.adobe

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