Organspende: Aus für Widerspruchslösung

Im Bundestag standen jüngst zwei fraktionsübergreifende Gesetzesentwürfe zur Organspende zur Abstimmung. Nach der Entscheidungslösung sieht eine Zustimmung des Verstorbenen zu Lebzeiten oder stellvertretend der Angehörigen als Voraussetzung für eine Organspende nach dem Tod vor sowie eine regelmäßige Abfrage der Spendebereitschaft in Einwohnermeldeämtern. Eine Entscheidung zu Lebzeiten ist nicht verpflichtend. Die doppelte Widerspruchslösung beinhaltet dagegen eine automatische, verbindliche Entscheidung zu Lebzeiten. Wer keine Organe spenden möchte, müsste dies dokumentieren. Beide Entwürfe schließen ein Melderegister und eine groß angelegte Informationskampagne ein.

Der Bundestag hat am 16. Januar 2020 mehrheitlich dafür gestimmt, beim Thema Organspende die erweiterte Entscheidungslösung in Deutschland einzuführen, eine Widerspruchslösung jedoch auszuschließen.
„Mit der Verabschiedung der erweiterten Entscheidungslösung ist ein neues Kapitel im Kampf gegen den Organmangel in Deutschland aufgeschlagen worden. Wir hoffen sehr, dass die Umsetzung des Gesetzes die Organspende stärken wird“, sagte Professor Dr. Michael Manns, Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

„Leider hat die Widerspruchslösung nicht die erforderliche Mehrheit gefunden“, ergänzte Professor Dr. Axel Haverich, Leiter des Transplantationszentrums der MHH, und wies auf die positiven Erfahrungen in anderen Ländern hin. Es bleibe abzuwarten, ob sich mehr Menschen als Organspender registrieren lassen als bislang einen Organspendeausweis mit sich führen. Er äußerte die Befürchtung, dass sich vor allem diejenigen registrieren lassen werden, die einer Organspende nach dem Tode widersprechen. Als einziges Land ohne Widerspruchslösung im Eurotransplant-Verbund sei Deutschland voraussichtlich weiterhin auf die Solidarität der anderen Länder und den Import von Organen angewiesen.

Derzeit warten in Deutschland 9.400 schwerkranke Menschen auf ein Spenderorgan, davon 1.082 an der MHH. 2019 haben deutschlandweit 3.192 Menschen ein Transplantat erhalten. Im Jahr zuvor waren es 3.264.

Die MHH ist das größte Transplantationszentrum in Deutschland. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 357 Organe transplantiert: 23 Herzen, 147 Nieren, 77 Lebern, 103 Lungen und sieben Bauchspeicheldrüsen.

Quelle: www.mh-hannover.de

Foto: © sewcream - stock.adobe

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