Selbstcheck: Sind Sie gestresst?

Wie Studien gezeigt haben, gehen und reden die Menschen heute schneller, pausieren und schlafen kürzer als noch vor einigen Jahrzehnten. Denn digitale Medien, Individualisierung und allgemeine Aufregung schrauben das Stresslevel nach oben. Eine zentrale Rolle spielen daher Aspekte des Stressmanagements und der Lebensbalance. Wie hoch ist Ihr Stress- und Entspannungslevel? Zählen Sie am Schluss die Punkte der zutreffenden Antworten zusammen.

Haben Sie das Gefühl, Ihr Leben überwiegend selbst aktiv zu gestalten und auch schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können?
ja 2
teilweise 1
nein 0

Fühlen Sie sich überfordert oder unter starkem Zeitdruck?
selten bis nie 2
manchmal 1
häufig 0

Ist es Ihnen sehr wichtig, was andere über Sie denken?
ja 0
teilweise 1
nein 2

Geraten Sie in Aufruhr, wenn Dinge anders laufen, als gedacht?
selten 2
manchmal 1
häufig 0

Wie lange beschäftigen Sie sich täglich außerhalb des Berufs mit digitalen Medien einschließlich Smartphone?
0–45 Minuten 2
45–120 Minuten 1
länger 0

Sind Sie bei Konflikten oder Kritik schnell verletzt oder aufgebracht?
nein 2
teilweise 1
ja 0

Leiden Sie unter Bauch-, Rücken- oder Kopfschmerzen?
selten bis nie 2
manchmal 1
häufig 0

Fühlen Sie sich manchmal hilflos oder ausgeliefert?
selten bis nie 2
manchmal 1
häufig 0

Wie oft empfinden Sie Angst, Wut oder Widerwillen?
selten 2
immer wieder 1
häufig 0

Gebrauchen Sie Alkohol oder Tabletten zum Entspannen?
ja, meistens 0
manchmal 1
selten bis nie 0

Im Folgenden sind Mehrfachnennungen möglich. Jede zutreffende Antwort ergibt einen Punkt.

Sie fühlen sich überwiegend …
dankbar
zufrieden
stabil
zuversichtlich
neugierig
voller Vertrauen
gesehen und respektiert
altersentsprechend attraktiv
wertvoll
selbstbestimmt
wach und ausgeruht
lebendig und kreativ

Sie können gut abschalten …
in der Mittagspause
unterwegs
abends
nachts
beim Sporttreiben
am Wochenende
im Urlaub

Sie …
empfinden Ihr Leben als sinn- und wertvoll
sorgen gut für sich selbst
sind in Ihrer Aufgaben- und Zeitplanung gut organisiert
fühlen sich in Ihrem Beziehungsnetz gut eingebunden
pflegen einen regelmäßigen Tagesrhythmus (Schlafen, Essen, Arbeit, Freizeit)
gestalten gerne
schlafen tief und erholsam
pflegen regelmäßig Hobbys und Leidenschaften
gestehen sich auch Fehler zu
empfinden tiefe Zuneigung
können Hilfe und Lob gut annehmen
pflegen körperliche Zärtlichkeit
können gut ja oder nein sagen
bewegen sich gerne und häufig
nehmen sich die Pausen, die Sie brauchen
können Kontrolle und Aufgaben gut abgeben
haben als Kind die nötige Geborgenheit erfahren
sind glücklich in einer stabilen Beziehung
sind finanziell abgesichert
finden es in Ordnung, wenn andere anderer Meinung sind
genießen regelmäßig die Natur
zeigen sich so, wie Sie wirklich sind

Auswertung

0–17 Punkte: Ihr Ergebnis deutet auf ein hohes Stresslevel und geringe Ausgleichsmöglichkeiten hin. Stellen Sie daher die drei Anker der Lebensbalance in den Mittelpunkt: Selbstliebe, Lebenskunst und Entspannung. Dazu gehört auch ein kluges Zeitmanagement, Authentizität, Selbst- und Beziehungspflege.
18–35 Punkte: Ihre Antworten sprechen für eine erhöhte Grundanspannung, die zu wenig Raum für Regeneration und Begegnung lässt. Mit Faktoren wie Tagesrhythmus, Beziehungshygiene, Kreativität, Regeneration, Selbstfürsorge und Grundvertrauen erreichen Sie mehr Ziele mit weniger Reibungsverlust
36–53 Punkte: Sie gestalten Ihr Leben aktiv und finden immer wieder Entspannung. Achten Sie dabei noch stärker auf Regelmäßigkeit, befriedigende Aufgaben, angenehme Begegnungen, Achtsamkeit und ausreichende Zeiten zur Regeneration.
Mehr als 53 Punkte: Ihr Ergebnis spricht für ein ausgezeichnetes Selbst-, Beziehungs- und Stressmanagement.

Hintergrund: Leben unter Strom?

Vier Größen wirken heute als ständige Stressquellen. Zum einen sorgen digitale Medien für psychische Herausforderungen. Denn sie simulieren reale Erfahrungswelt, jedoch ohne reale Erfahrungen. So dokumentiert die bekannte BLIKK-Studie, dass sich über 60 % der Neun- bis Zehnjährigen keine 30 Minuten mehr ohne digitale Medien selbst beschäftigen können. Dies gilt auch für Erwachsene: Der durchschnittliche Nutzer blickt täglich 88-mal auf sein Smartphone, Kinder und Jugendliche 135-mal. Eine ungestörte Tätigkeit oder gar ein Flowerlebnis sind hierdurch kaum noch möglich.

Eine weitere Stressquelle liegt in der Individualisierung: Der Einzelne begreift sich zunehmend als Zentrum seines Glücksbestrebens und lebt somit trotz Reisen, Unterhaltung, Konsum und Selbstoptimierung, in ständiger Sorge um die Erfüllung seiner Bedürfnisse.

Damit verbunden ist eine ständige allgemeine Aufregung. Noch nie gab es weltweit so wenig Gewalt, Krankheit, Diskriminierung, Armut und Krieg wie heute. Doch Medien vermitteln den Eindruck einer laufend stattfindenden Katastrophe: Stress pur.

Auch die die Kindheit prägt das Stressniveau: Wer als Kind in einem Raum der Liebe und Geborgenheit verweilen durfte, geht entspannter durch sein Leben als geprägt durch Leistungsdruck, Liebesentzug und Gewalt.

Häufig ist Dauerstress Folge und nicht Ursache innerer Anspannung. Wer z. B. unbedingt gebraucht, geliebt oder gesehen werden will, wird sein Leben stressbetonter gestalten (z. B. Überstunden, Beziehungskonflikte) als jemand, der sich als wertvoll und selbstwirksam begreift.

Somit liegen die ersten Schritte zur Entspannung in der liebevollen, authentischen und integrierenden Begegnung mit sich selbst und anderen. Dann greifen auch bewährte Strategien wie Arbeits- und Zeitmanagement (z. B. unwichtige Aufgaben streichen), Beziehungspflege, Tagesrhythmus, Schlafhygiene, Meditation, Bewegung oder Entspannungsverfahren. Wer also typische Stresszeichen an sich entdeckt – darunter steigender Alkohol- und Tablettenkonsum, Schlafstörungen, Müdigkeit, Schmerzen, Verdauungsprobleme, Unruhe oder Angst –, hat wirksame Instrumente zur Hand, damit sich wieder Freude, Offenheit, Miteinander, Humor, Zuversicht und Gelassenheit einstellen.

Quelle

Der große Gesundheits-Selbstcheck
60 einfache und bewährte Selbsttests. Mit Strategien für ein gesundes Leben.
Christian Zehenter
humboldt-Verlag
296 Seiten - Softcover - 145 mm x 215 mm
ISBN 9783842629196
€ 19,99

Foto: © WavebreakmediaMicro - stock.adobe

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