Tabletnutzung kann Sprachentwicklung verzögern

Smartphones und Tablets haben in den meisten Haushalten Einzug gehalten. Viele Kinder spielen bereits mit den Geräten, noch bevor sie zu sprechen anfangen. Dies kann jedoch laut einer aktuellen Forschungsarbeit die Sprachentwicklung deutlich verzögern.

Für die Studie an der Universität Toronto wurden zwischen 2011 und 2015 894 Kinder im Alter von 6 Monaten bis 2 Jahren untersucht. Bei ihrem Check-up mit 18 Monaten nutzten bereits 20 % täglich Tablets, durchschnittlich 28 Minuten lang. Für jede halbe Stunde mehr, die Kinder vor einem Tablet saßen, ermittelten die Wissenschaftler mithilfe eines Screening-Tools für Sprachverzögerung ein um 49 % höheres Risiko für eine Sprachverzögerung. Für andere Kommunikationsfähigkeiten, wie soziale Interaktionen, Körpersprache oder Gesten, gab es keinen offensichtlichen Einfluss.

„Tablets sind heute allgegenwärtig“, erklärte Studienleiterin Dr. Catherine Birken. „Während aktuelle pädiatrische Leitlinien eine Begrenzung der Bildschirmzeit für Babys und Kleinkinder empfehlen, glauben wir, dass die Verwendung von Smartphones und Tablets bei kleinen Kindern sehr verbreitet ist. Dies ist die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Tablets und Ähnlichem und einem erhöhten Risiko für eine Verzögerung der Sprechfähigkeit der Kleinkinder nachweist.“

Die Ergebnisse unterstützen die aktuelle Haltung der American Academy of Pediatrics, die von jedem Kontakt mit Bildschirmen bzw. Medien bei kleinen Kindern, die jünger als 18 Monate alt sind, abrät. Auch die aktuelle BLIKK-Studie (https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/ergebnisse-der-blikk-studie-2017-vorgestellt-uebermaessiger-medienkonsum-gefaehrdet-gesundheit-von/), an der der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte maßgeblich beteiligt war, warnt vor einen Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und Entwicklungsstörungen bei Kindern. So leiden den Ergebnissen der Studie zufolge Kinder bis zum 6. Lebensjahr vermehrt unter Sprachentwicklungsstörungen sowie motorischer Hyperaktivität, wenn sie die neuen Medien intensiv nutzen.

Mehr Forschungsarbeit ist nach Dr. Birken erforderlich, um zu verstehen, wie kleine Kinder mit den neuen Medien umgehen, welche Inhalte sie nutzen und wie sie sie verarbeiten. Auch sollte die Verbindung zwischen Bildschirmzeit und Sprachverzögerung sowie deren längerfristigen Auswirkungen auf die Kommunikationsfähigkeit weiter untersucht werden.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de

Foto: efired, Adobe Stock

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