Rauchen

Krank durch Tabakrauch

Jeder Vierte raucht weiter

Warnhinweise, Tabakverteuerung und Rauchverbote sollen vor der häufigsten vermeidbaren Todesursache, schützen – dem Rauchen. Millionen sind seither zu Nichtrauchern geworden, doch jeder Vierte inhaliert weiterhin Tabakqualm. Den meisten ist das Ausmaß der Schäden dabei nicht bewusst.

Musste man noch vor 15 Jahren inmitten von Tabakqualm auf den Zug warten, sein Mittagessen mit Nikotingeschmack einnehmen und regelmäßig rauchgeschwängerte Kleidung wechseln, so ist der blaue Dunst heute aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens verschwunden. Rauchen vor der Kamera ist ebenso out wie am Arbeitsplatz oder auf Familienfeiern.

Doch jeder Vierte inhaliert weiterhin Tabakrauch. Denn Risikobewusstsein orientiert sich vor allem an kurzfristiger Bedrohung: So fürchten sich die meisten Menschen vor Gewalttaten oder Unfällen wesentlich mehr als vor einer Raucherkrankheit, obwohl letztere über hundert Mal wahrscheinlicher und ebenso tödlich eintreten wird.

„Risiken? Ich spüre nichts!“
Das Tückische: Typische Raucherprobleme wie gelbe Zähne und Finger, Schwitzen, Husten, Herzschmerzen oder Atemlosigkeit bleiben zunächst eher unauffällig, um sich erst nach Jahren unübersehbar zu zeigen. Doch dann ist Rauchen meist zur Sucht geworden. Denn im Gehirn wird es wie Hunger oder Durst eingestuft: Diese schalten sich in unseren Willen ein und belohnen uns mit dem Euphoriehormon Dopamin, wenn wir ihnen nachgeben.

Jeder Raucher leidet unter Sauerstoffmangel
Meist werden Tabakrisiken nur allgemein benannt („Raucher sterben früher“), doch sind es die konkreten Auswirkungen, die Schicksale prägen: Im Tabakrauch konnte man über 4.000 giftige Substanzen nachweisen, davon einige stark krebserregend. Weil das im Rauch enthaltene Kohlenmonoxid an den roten Blutkörperchen die Bindungsstellen für Sauerstoff besetzt, leiden Raucher unter mehr oder weniger starkem Sauerstoffmangel, der sich insbesondere bei intensiver Bewegung durch Atemlosigkeit und Herzklopfen bemerkbar macht. Teer verklebt die härchenbesetzte Lungenschleimhaut und greift Magen und Speiseröhre an, Nikotin macht Blutgefäße eng und brüchig und erzeugt künstlichen Stress. Hierdurch erklären sich auch die typischen frühen Raucherbeschwerden:

  • verschleimter Husten, häufige Erkältungen
  • Atemnot und Herzklopfen bei körperlicher Anstrengung
  • kalte Hände und Füße
  • gelbe Zähne und Finger
  • starkes Schwitzen
  • Erektionsstörungen
  • unreine Haut, schlechte Wundheilung
  • Herz- und Beinschmerzen
  • Magenschmerzen und -entzündung
  • Verlust des Riechens.

Nach vielen Raucherjahren entwickeln sich meist schwere Erkrankungen: Durch Vernarbungen können sich die chronisch verengten und entzündeten Bronchien nicht mehr erweitern (chronisch obstruktive Bronchitis), der verschleimte Husten nimmt an Tiefe und Intensität zu, die Atemleistung lässt nach, die Lunge wird überbläht und zunehmend zerstört (Lungenemphysem). Die durch das Nikotin ebenfalls verengten und entzündeten Herzkranzgefäße können das Herz immer schlechter mit Sauerstoff versorgen, Herzinfarkt ist die häufige Folge. Dasselbe gilt für alle weiteren Arterien des Körpers, was besonders die Beine zunehmend von der Sauerstoffversorgung abschneidet: Trotz moderner Gefäßchirurgie steht daher der Beinverlust – das Raucherbein – weit oben auf der Liste der Raucherkrankheiten. Zu jedem Zeitpunkt – mit den Raucherjahren zunehmend – können sich Lungen-, Speiseröhren-, Magen-, oder Kehlkopfkrebs entwickeln. Alle Risiken gelten in kleinerem Maßstab bereits ab der ersten Zigarette sowie für das Passivrauchen.

Fakten und Zahlen für Deutschland

  • 27 % der Bevölkerung rauchen, Tendenz fallend.
  • Männer (31 %) rauchen mehr und häufiger als Frauen (26 %)
  • Mit steigenden Einkommen, Bildung und Lebensjahren nimmt der Raucheranteil ab.
  • Mehr als 100.000 Menschen sterben jährlich durch das Rauchen.
  • 98 % der Herzinfarktopfer unter 40 sind Raucher.
  • 85 % der Lungenkrebspatienten sind Raucher.
  • Raucher leben im Schnitt 6–10 Jahre kürzer als andere Menschen.
  • Wer über 20 Jahre täglich 20 Zigaretten raucht, gibt dafür rund 34.000 € aus und wird zu 25 % daran sterben.
  • Weder „Light-Zigaretten“, noch „besonders reiner“ Tabak, (Wasser-)Pfeifen oder bestimmte Rauchtechniken ändern das Sterberisiko.
  • Mit der Zahl der Zigaretten steigt die Sterberate – hohes Risiko ab 5 Zigaretten täglich, sehr hohes Risiko ab 20 Zigaretten.
  • Auch E-Zigaretten verursachen Lungen- und Herz-Kreislauf-Krankheiten und erschweren zudem den Tabakausstieg.

Wenn Sie Nichtraucher sind, bleiben Sie es in jedem Fall und versuchen Sie auch andere dazu zu bewegen. Tun Sie dies ohne Werturteile, denn es geht nicht um Fehlverhalten, sondern darum, Menschen – und deren Angehörige – vor schweren Krankheiten und einem vorzeitigen Tod zu bewahren.

Wichtige Tipps für den Ausstieg
Wenn Sie selbst Raucher/in sind, müssen Sie sich aus freien Stücken dafür oder dagegen entscheiden. Dies kann Ihnen niemand abnehmen. Denken Sie auch daran, dass Sie erst nach einem Jahr völligem Tabakverzicht Nichtraucher/in sind und erst nach zwei Jahren den Entwöhnungsprozess hinter sich haben. Mit dem Ausstieg aus dem Rauchen schließen Sie also einen „Zwei-Jahres-Vertrag“ mit sich selbst und Ihren Angehörigen ab. Tipps für die Entwöhnung:

  • Notieren Sie sich Ihre Gründe zu rauchen und damit aufzuhören.
  • Gute Vorsätze (z. B. zum Jahreswechsel oder Geburtstag) dienen meist nur als Ausrede, weiterzurauchen. Nehmen Sie sich den Ausstieg daher nicht vor, sondern hören Sie sofort auf. Vernichten Sie dazu alle Zigaretten und Zubehör.
  • Lassen Sie sich von anderen Menschen (Familie, Freunde, Arzt) unterstützen.
  • Manche Raucher können mühelos aussteigen. In den meisten Fällen liegen jedoch Hürden vor Ihnen. Stellen Sie sich für alle Fälle auf Momente quälenden Verlangens und depressiver Stimmungen ein. Wählen Sie sich für diese eine wirksame „Ablenkung“, z. B. Laufen oder Schwimmen gehen, 0,5 l Wasser/Kräutertee trinken oder jemanden besuchen.
  • Vermeiden Sie Langeweile und suchen Sie sich für die nächsten Monate Ausgleichstätigkeiten, insbesondere intensiven Sport, aber auch Musik mit Nichtrauchern.
  • Meiden Sie Orte, an denen geraucht wird.
  • Essen Sie bewusst fettarm mit viel frischer Kost und „schüsselweise“ Salaten, da Ihr Appetit steigen wird.
  • Nikotinpflaster (Apotheke), Entwöhnungskurse und Nichtraucherseiten im Internet (z. B. rauchfrei.de) können Ihnen v. a. in den ersten Wochen wesentlich beim Ausstieg helfen.

Tipp: Die BKK Achenbach Buschhütten übernimmt die Kosten von zertifizierten Raucherentwöhnungskursen zu 80 % (bis maximal 200 € im Kalenderjahr). Klären Sie zuvor mit uns ab, ob Ihr Kurs bezuschusst werden kann. Förderungsfähige Kurse finden Sie auch unter www.bkk-achenbach.de/praevention.html.

Begreifen Sie Nichtrauchen als Gewinn und Teil Ihrer „Manpower“, dann haben Sie gute Chancen, Nichtraucher/in zu werden oder zu bleiben.